Schulchronik – Unsere Geschichte

Unser Gymnasium wurde von Max und Gustl Rill mit Einzug in das Schloss von Reichersbeuern als Mädchenschule im Jahre 1938 gegründet. Als älteste weiterführende Schule im Landkreis hat sich die Schule über acht Jahrzehnte von einem klassischen reformpädagogischen Landerziehungsheim zu einem modernen koedukativen Ganztages- und Internatsgymnasium entwickelt. Generationen von Schülerinnen und von Schülern haben die Schule mit Freude besucht und sie haben sie verlassen, ausgerüstet mit bedeutsamen Erfahrungen für ihr Leben. Als Altbürgerinnen und Altbürger erzählen sie den nachfolgenden Generationen die wechselvolle Historie der Schule im Schloss von Reichersbeuern, doch diese Geschichten der Schulgeschichte gehen verloren, werden sie nicht aufgeschrieben und weitererzählt. Darum hat sich die Schulgemeinschaft im Jubiläumsjahr 2018 aufgemacht, die eigene Herkunft weiter zu ergründen, zu dokumentieren und sichtbar zu machen.

Wann immer wir heute mit Altbürgerinnen, die den Schulgründer Max Rill noch kennen, über ihn sprechen, wird ihm große Achtung zuteil. Kein charismatischer, aber ein warmherziger Mensch, still und zurückhaltend. Kein politisch eifernder Lehrer, sondern ein engagierter Pädagoge. Max Rill wurde von seinen Schülerinnen verehrt. Dass Rill sich jedoch in Zeiten des Faschismus nicht im politischen Niemandsland bewegte, sondern einen Anpassungsprozess vollzog, wurde in einer von der Schule herausgegebenen Publikation, „In Sachen Max Rill. Die Mädchenschule in Reichersbeuern 1938 bis 1945 und ihre Beziehungen zur SS-Junkerschule Bad Tölz“ von Nikolaus Frei und Georg Kwossek, zur Diskussion gestellt und in dem Dokumentarstück „Der Max Rill Prozess. Über die Erziehung in Zeiten der Tyrannei!“  künstlerisch verarbeitet. Das Drama wurde zum Jubiläum im Juli 2018 uraufgeführt und das Wirken von Max Rill im Rahmen einer Podiumsdiskussion kontrovers beleuchtet.

Im Rahmen des Schuljubiläums hatte sich auch eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aufgemacht, Ausschnitte der Schulgeschichte in einem eigenen Schulmuseum, eingerichtet im Torbogen des Schlosses, darzustellen. Wir sind sehr stolz darauf, einen öffentlichen Raum der Erinnerung und Forschung mit einer Ausstellung und einem Archiv geschaffen zu haben, der unseren Schülerinnen und Schülern sowie Altbürgerinnen und Altbürgern zugänglich ist. Es gilt, die Schulgeschichte weiter zu ergründen, um die wesentlichen pädagogischen Ideen der Gründungszeit zu bewahren und in die Moderne des 21. Jahrhunderts zu überführen.

Acht Jahrzehnte Max-Rill-Schule sind vor allem geprägt von einer uneingeschränkt positiven Zuwendung zum Kind innerhalb einer sozial und integrativ agierenden Gemeinschaft. Als eine der ersten Gymnasien hat sie 1965 als Modellschule den Sozialwissenschaftlichen Zweig in Bayern unter ihrem Schulleiter, Dr. Michael Scherer, mit eingeführt. In den 70ern unter der Leitung von Fritz Funk wirkt die Schule als Modellschule an der Erprobung der Kollegstufe mit. Ende der 80er Jahre öffnet sich die Schule unter der Leitung von Hermann Schmid und Gisela Schmid-Steinke für die Jungen und entwickelt die koedukative Erziehung. Ab den 2000er Jahren wurde die ästhetische Bildung in Theater und Musik zu einem Schwerpunkt gemacht unter der Leitung von Frank Senske, mit zehnjähriger Führung eines musischen Zweiges. Dass das Max-Rill-Gymnasium die neuen Herausforderungen der Inklusion und des digital gestützten Lernens, verbunden mit einer Medienerziehung aktiv annimmt, ist die selbstverständliche Konsequenz aus einer sich permanent fortschreibenden Schulentwicklung, die Kinder und Jugendliche auf das Leben in einer globalisierten Welt vorbereitet. Eine Welt, in der es immer noch auf die innere Haltung ankommt, die Schule vermittelt.

Max Rill wollte seinen Schülerinnen so viel innere Haltung vermitteln, dass sie sich selbst ein Urteil bilden konnten. In einer Rede zum Elterntag 1938 gibt er sein tastendes Nachdenken wieder:

„Wir wollen mit der Erziehung Halt geben. Es fällt uns, da wir nicht auf eine konfessionell bestimmte Haltung eingestellt sind, schwerer, Haltung als feste Form zu haben, nach dieser Haltung zu suchen und sie zu erringen und zu erwerben. Das ist ungünstig und günstig. Ich glaube, das Günstige wiegt über. Diese Haltung zu erwerben und zu suchen, hat etwas außerordentlich Erzieherisches für die Kinder. Eine Gemeinsamkeit der Haltung, auch einer versuchten Haltung und nicht einer gegebenen und gekonnten. Die Kinder sollen wissen, daß wir nicht alles wissen und nicht alles können.“

Das Zitat ist der Chronik „Schloss Reichersbeuern. Geschichte und Geschichten“ (S. 207) entnommen, die unser ehemaliger Gesamtleiter Hermann Schmid, der an der Schule von 1985 – 2001 wirkte, im Auftrag der Schule erstellte.

Auch heute noch tasten wir und suchen. Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Max-Rill-Gymnasiums möchten den Kindern und Jugendlichen Wege aufzeigen, ihnen helfen, zu richtigen Entscheidungen zu gelangen, und sich Lebensperspektiven zu eröffnen.

Publikationen

Schulchronik Geschichte und Geschichten

Buch: Chronik „Schloss Reichersbeuern“

Text: Hermann Schmid
(ehemals Direktor zwischen 1985-2001)

Auszug aus der Schlosschronik (Kapitel 16)

Zeitungsartikel zum Thema

TK Der masslose Schlossherr

Das Buch ist auf Anfrage im Max-Rill-Gymnasium für den Preis von 20€ erhältlich

Schulchronik In Sachen Max Rill

Buch: In Sachen Max Rill

Text: Nikolaus Frei / Georg Kwossek

Das Buch ist auf Anfrage im Max-Rill-Gymnasium für den Preis von 10€ erhältlich

Zeitungsartikel zum Thema

TK Wie war das in Zeiten der Tyrannei

TK Erinnerungen statt Briefe

TK Sei klug wie die Schlange

TK Zwischen Held und Nazi

SZ Max Rill ein Drama