Reden wir über – Eine Oper aus Namibia

Nikolaus Frei ist bekannt für seine außergewöhnlichen Theaterprojekte, die er seit vielen Jahren an der Max-Rill-Schule in Reichersbeuern auf die Bühne bringt. Seit März engagiert er sich als Autor und Dramaturg bei dem neu gegründeten gemeinnützigen Theaterverein Münchner Momentbühne. Aktuell geht es um die Uraufführung einer noch zu schreibenden Oper des namibischen Komponisten Eslon Hindundu.

SZ: Herr Frei, das Schultheater liegt vermutlich derzeit auf Eis, lenken Sie Ihre kreative Energie deshalb in neue Kanäle?

Nikolaus Frei: Nicht wirklich. Die Theaterarbeit in Reichersbeuern läuft weiter, und ich habe gerade auch wieder richtig gute Schüler. Wir proben eine Theaterfassung von „Das Bildnis des Dorian Gray“. Alles online, was natürlich unbefriedigend ist. Aber ich hoffe, dass wir im Sommer wieder eine Aufführung machen können. Zugleich war ich schon immer in der freien Theaterszene in München aktiv, habe beispielsweise im Metropoltheater gespielt. Im vergangenen März hat sich dann etwas Neues ergeben: Eine ehemalige Schülerin von mir, Kim Mira Meyer, ist mittlerweile eine leidenschaftliche junge Regisseurin. Sie hatte die Idee, gemeinsam mit dem Komponisten Eslon Hindundu eine Oper auf die Bühne zu bringen. Unter anderem deshalb haben wir den Verein Münchner Momentbühne gegründet und eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen.

Sie möchten den jungen Komponisten aus Windhoek nach Pasing einladen und dort einige Monate gemeinsam mit ihm arbeiten. Wie könnte das aussehen?

Die Aufteilung wäre: Eslon Hindundu schreibt die Musik, er hat auch viele Kontakte zu Chören und Orchestern in Namibia. Kim übernimmt die Regie. Und ich schreibe das Libretto. Die Uraufführung würde dann in Windhoek stattfinden.

In der Oper soll es um die Geschichte Namibias und des Deutschen Reiches zur Kolonialzeit gehen. In der Schule lernt man nicht viel darüber. Was wissen Sie davon?

Bis 1919 war Deutsch-Südwest-Afrika eine der Kolonien, die das Deutsche Reich im Wettlauf mit den anderen europäischen Großmächten um die Welt besetzt und unterworfen hatte. Ich habe mich schon in meinem Studium in England viel mit dieser Zeit beschäftigt, bin von der Ausbildung her ja auch Historiker. Bis heute sind die Spuren der deutschen Herrschaft in Namibia nicht vergessen, genauso wenig wie die Schuld, die mit dieser Herrschaft zusammenhängt.

Wie lässt sich das in eine Oper packen?

Es soll nicht zu historisch werden, kein Dokumentationsdrama. Wir werden nicht konkrete Ereignisse wie den Herero-Aufstand thematisieren, sondern vielmehr an die namibischen Mythen anknüpfen und anhand archetypischer Figuren zeigen, wie mit Beginn der Kolonialzeit völlig verschiedene Denksysteme und Kulturen aufeinandergeprallt sind. Das ist spannend.

Zugleich planen sie eine Art Aufklärungskampagne. Was haben Sie vor?

In einer ersten Phase soll die Recherche im Mittelpunkt stehen. Dann möchten wir mit Schulen und Vereinen Installationen im öffentlichen Raum entwickeln, Informationen aufbereiten oder auch Werkstattberichte mit Musik und Texten aus der entstehenden Oper präsentieren.

Wie viel Geld haben Sie schon zusammen?

Gerade sind wir bei knapp 1000 Euro. Wir müssen jetzt richtig die Werbetrommel rühren und das Projekt bekannt machen. Schön wäre es, wenn Eslon Hindundu im Februar kommen könnte. Dann könnten wir mit der Arbeit richtig loslegen.

Ausführliche Informationen unter www.momentbuehne.de und https://muenchner-bank.viele-schaffen-mehr.de/von-windhoek-nach-pasing

 

Interview von Stephanie Schwaderer
Foto: Nikolaus Frei (Foto: Manfred Neubauer)
Aus der SZ.de vom 
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/reden-wir-ueber-eine-oper-aus-namibia-1.5180311